Der museale Wert der Ge 2/4 Nr. 205 basiert primär auf der Funktionstüchtigkeit ihrer äusserst seltenen elektromechanischen Ausrüstung. Aus denkmalpflegerischer Sicht geniesst deshalb der Erhalt der Funktionstüchtigkeit eine sehr hohe Priorität - zumal eine nicht mehr funktionsfähige Schwesterlokomotive bereits im Verkehrshaus der Schweiz VHS in Luzern ausgestellt wird.

Ein Interesse an einer funktionierenden Lok auf einem Rollenstand, analog dem ehemaligen Ausstellungskonzept am «Technikum» in Winterthur, besteht nicht mehr: Die Baukosten für einen Rollenstand, die laufenden Unterhaltskosten für den Betrieb und die Energiekosten für eine Stromversorgung ab einem öffentlichen Ortsnetz stehen in keinem Verhältnis zum didaktischen Wert der Lokomotive als Ausstellungsexponat. Ferner ist ausserhalb von grösseren Agglomerationen längst nicht jedes Ortsnetz in der Lage, die für den Betrieb auf dem Rollenstand erforderliche Scheinleistung von 120 kVA zu erbringen.

Um die Investitionen in eine betriebsfähige Ge 2/4 Nr. 205 zu rechtfertigen, muss diese aus eigener Kraft fahren und ihre laufenden Betriebskosten mit Billeteinnahmen selber erwirtschaften können. Die Energieversorgung soll deshalb künftig nicht mehr über ein 400 Volt-Ortsnetz, sondern wieder über eine Fahrleitung erfolgen.

Eine lokeigene Einrichtung zur Energieaufbereitung existiert nicht mehr. Als Denkmallokomotive in Winterthur wurde der «Lok 205» der eingebaute Transformator entfernt. Ein baugleicher Ersatztransformator würde der Lokomotive aber nicht mehr dienen, denn unter modernen Rahmenbedingungen kann der Repulsionsmotor im ursprünglichen Sinne nicht mehr betrieben werden:

Anstelle des ursprünglichen, galvanisch nicht getrennten Auto-Transformators muss neu ein Gleichstrom-Zwischenkreis mit einem Einphasen-Wechselrichter und intelligenter Sekundärspannungsregelung installiert werden, welcher

(Letztere Massnahme dient der Simulation des ehemals instabilen Energieversorgungsnetzes.)

Das Vorgehen wird in zwei Projektphasen unterteilt:

Sollten sich im Rahmen des Vorprojektes die Projektziele als unrealistisch erweisen, so kann auf ein ebenfalls erstrebenswertes Alternativprojekt zurückgegriffen werden.

Das Vorprojekt klärt grundsätzlich die technische und die wirtschaftliche Realisierbarkeit der Projektziele ab. Die beiden wesentlichen Aufgabengebiete sollen in zwei Projektstudien aufgeteilt werden:

Neben den technischen und wirtschaftlichen Machbarkeitsanalysen sind auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen für verschiedene allfällige Einsatzgebiete der betriebsfähigen Lokomotive zu untersucht und zu bewertet. (Siehe «Gesetzliche Aspekte»)

Die Vorprojektstudien werden als Diplomarbeiten an einer Fachhochschule positioniert.
Da die wirtschaftliche Machbarkeitsstudie auf der technischen Machbarkeitsstudie aufbaut, sind zwei Diplomperioden als zeitlicher Horizont erforderlich. Die Resultate der Vorprojektstudien sind deshalb frühestens zum Jahresende 2016 zu erwarten.

Erst wenn die beiden Vorprojektstudien einen positiven Projektabschluss vermuten lassen, erfolgt die eigentliche Projektarbeit in Form

Auf der Detailplanung basiert

Nach der Sicherstellung der Projektfinanzierung erfolgt die Realisation.

Die funktionierende Lokomotive muss betriebswirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden können.

Ein sinnvoller Einsatz bedeutet, dass

Entgegen der wirtschaftlichen Interessen wird aber auch der Schonung der historischen Substanz Rechnung getragen: Zur Entlastung des Repulsionsmotors soll die ursprüngliche Lokomotivleistung um 10 % auf 200 kW (270 PS) gedrosselt und die maximale Stundenzugkraft von 30 kN bei 25 km/h in etwa beibehalten werden. Mit diesen neuen Leistungsdaten ist es möglich, einen 35 Tonnen schweren Wagenzug mit einer Geschwindigkeit von etwa 25 km/h auf einer Steigung von 35 ‰ zu befördern.

Mit einer Leistung von 200 kW und einer Dauerzugkraft von 30 kN bei 25 km/h kann die «Lok 205» auf der Albulastrecke einen sechsachsigen Personenzug ziehen, welcher etwa 80 Fahrgästen bequem Platz bietet, ohne dabei die fahrplanmässig verkehrenden Regelzüge zu behindern.

Fahrzeugbezeichnung«Lok 205»A 1102B 2060C 2012Total
Fahrzeuggewicht Brutto37 t12,07 t12,14 t11 t72,21 t
Sitzplatzangebot-24 Pl44 Pl40 Pl108 Pl
Komfortoptimiertes Sitzplatzangebot (ca. 80 %)-19 Pl35 Pl32 Pl86 Pl

Sollte eine Wiederinbetriebnahme der Lokomotive aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen scheitern, so ist eine weitere Verwendung der Lokomotive als funktionsloses Ausstellungsobjekt in einem geeigneten Museum sehr wünschenswert.

Unabhängig der künftigen Verwendung der Lokomotive werden seit einiger Zeit Hilfsbetriebe, Kontroll- und Messeinrichtungen sowie bewegliche mechanische Komponenten soweit als möglich aus der Lokomotive ausgebaut, revidiert und konserviert. Sobald die künftige Zweckbestimmung für die Lokomotive bekannt ist, wird auch die Lokomotivkarosserie entrostet, gereinigt und neu lackiert. Anschliessend werden sämtliche revidierten Komponenten zur Vervollständigung des Fahrzeuges wieder eingebaut.

Auch wenn die Lokomotive nicht mehr funktionstüchtig hergerichtet werden sollte, so würde auf diese Weise die Inneneinrichtung trotzdem in tadellosem mechanischen Zustand der Nachwelt erhalten bleiben.