Die Inbetriebsetzung der Ge 2/4 Nr. 205 erfolgte am 13. Mai 1913. Sie war nach ihren Schwestern, den Ge 2/4 Nr. 201 - 204 und den Ge 4/6 Nr. 351 - 352, die siebte Elektrolokomotive, welche bei der Rhätischen Bahn zum Einsatz kam.

Am 18. Oktober 1920 stiess die Lokomotive in St. Moritz mit einer abgestossenen Wagengruppe zusammen. Dabei wurde sie umgeworfen und stark beschädigt.
Die damals zur Diskussion stehende Einführung der einmännigen Bedienung veranlasste die Direktion der RhB, die Lok Nr. 205 im Rahmen der Reparaturarbeiten versuchsweise mit Stirnwandtüren auszurüsten: Im Falle von Unregelmässigkeiten sollte so dem Zugspersonal ein einfacherer Zutritt zur Lokomotive ermöglicht werden, um mit dem Lokomotivführer zu kommunizieren.
Seit dem 31. Mai 1921 stand die reparierte Ge 2/4 Nr. 205 mit ihrem neuen Antlitz wieder im Einsatz. Obwohl keine weiteren Schwesterlokomotiven mit Stirnwandtüren nachgerüstet wurden, behielt sie ihr individuelles äusseres Erscheinungsbild bis zum heutigen Tage bei.

Im Jahre 1968 tauschte die Lok Nr. 205 ihr Antriebsaggregat gegen einen der beiden Fahrmotoren der wenig gebrauchten und mittlerweile ausrangierten Ge 4/6 Nr. 301 ein.

Nach 60-jähriger Dienstzeit und mehr als 1,2 Millionen gefahrenen Kilometern leistete die Ge 2/4 Nr. 205 im Sommer des Jahres 1973 ihre letzten offiziellen Einsätze im Fahrzeugbestand der Rhätischen Bahn. Frisch revidiert verabschiedete sie sich 1974 von Graubünden mit einer Nostalgie-Extrafahrt, um anschliessend auf dem Areal der «Zürcher Hochschule Winterthur» als Denkmallokomotive aufgestellt zu werden. Entsprechend uneinheitlich ist in der Fachliteratur das Jahr der Ausserbetriebsetzung sowohl mit 1973, als auch mit 1974 datiert.

1974 feierte die heutige Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW ihr 100-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass beabsichtigte der Verein «Ehemalige des Technikums Winterthur ETW» und das «Kartell der Altherren-Verbände des Technikums Winterthur KAHV» der Ausbildungsstätte ein würdiges Jubiläumsgeschenk mit Denkmalcharakter zu überreichen.

Ursprünglich sollte ein repräsentativer Brunnen kommende Generationen an das langjährige Bestehen des Technikums erinnern. Der finanzielle Aufwand sprengte aber die damaligen Budgetvorstellungen beträchtlich. Deshalb wurde das Projekt nicht mehr weiter verfolgt.

Bereits aus einer Korrespondenz von 1972 zwischen Prof. E. Schneider-Weber und der Rhätischen Bahn ging hervor, dass nach den zu erwartenden Ausrangierungen von alten Elektrolokomotiven Interesse an der übernahme eines Exemplares durch das Technikum in Winterthur besteht. Nach dem Scheitern des «Brunnen-Projektes» beschloss der Vorstand des ETW am 28. November 1973 diese Idee wieder aufzunehmen und der Hochschule zum Wiegenfest eine solche Lok zu schenken. In einem auf den 22. Januar 1974 datierten Brief bat der Präsident des ETW, Herr U. Matta, die Direktion der Rhätischen Bahn eine der stillgelegten Lokomotiven Ge 2/4 Nr. 205 oder Nr. 207 den Winterthurer Vereinen zu veräussern.

Unter Würdigung der Tatsache, dass auch verschiedene Absolventen des Technikums in Winterthur bei der Rhätischen Bahn tätig sind, überliess die RhB den Vereinen ETW und KAHV die Lok Nr. 205 kostenlos. Frisch revidiert wurde die Lokomotive nach ihrer Abschiedsfahrt auf dem Netz der Rhätischen Bahn am 14. September 1974 dem Verein ETW in Landquart übergeben, worauf sie am 24. desselben Monats Ihre Reise nach Winterthur antrat.

In einer kleinen offiziellen Feier konnte die Ge 2/4 Nr. 205 am 9. November 1974 dem damaligen Technikums-Direktor, Prof. B. Widmer, als betriebsfähige Denkmal-Lokomotive übergeben werden.
Mit der Annahme des Jubiläumsgeschenkes verpflichtete sich das «Technikum» die historische Lokomotive während den folgenden 30 Jahren zu betreuen und zu betreiben.

Die Lok fristete fortan ihr Dasein nicht nur als «Tote Materie» auf einem Denkmalsockel: Vielmehr konnte sie von ihren Gästen in Betrieb erlebt werden. Ein speziell zu diesen Zweck errichteter Rollenstand ermöglichte das «Treten vor Ort». Der Energieversorgung nahmen sich Studenten an, die mit dieser Herausforderung als Diplomarbeit ihr Studium am «Technikum» abschlossen.

Die wirtschaftspolitische Situation hat sich in Winterthur in den vergangenen Jahrzehnten nachhaltig verändert: Mit dem Verschwinden der «Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik SLM» und weiterer namhafter Vertreter der Elektroindustrie verlor die «Lok 205» ihren Stellenwert als Symbolträgerin für den leistungsfähigen Wirtschaftsstandort. Mit ihrer verbliebenen Bedeutung als historisches Erbe der Eisenbahngeschichte ist das Fahrzeug an einer modernen Ausbildungsstätte - welche sich auch in der öffentlichkeit als zukunftsorientierte Hochschule präsentiert - nicht mehr optimal positioniert. In Anerkennung des musealen Wertes der Lokomotive unterstützt die Hochschulleitung die Suche nach einem neuen, passenden Umfeld für das Exponat.
Der Abtransport der alten «Tech-Lok» hat aber vor allem auch wirtschaftliche Gründe: Stets wiederkehrende witterungsbedingte Schäden und Folgekosten in sechsstelliger Grössenordnung für deren Reparatur drängen die Investition in einen trockenen Lokomotivunterstand auf. Die benötigten baulichen Veränderungen lassen sich aufgrund der Bedürfnisse des Schulbetriebes auf dem Areal der ZHAW nicht realisieren.

Im Jahre 2000 trafen die ehemaligen Initianten der Denkmallokomotive in Winterthur, der Verein «Ehemalige des Technikums Winterthur ETW» und das «Kartell der Altherren-Verbände des Technikums Winterthur KAHV», die Schulleitung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW und die Bündner Vereine «Club 1889» und «Verein Bahnhistorisches Museum Bergün» eine Vereinbarung, wonach der «Club 1889» die Lok übernehmen und für eine Wiederinbetriebnahme auf einem Rollenstand im damals noch geplanten Bahnhistorischen Museum in Bergün herrichten sollte. Im Unterschied zum Ausstellungskonzept in Winterthur sollte die Lokomotive künftig an einem witterungsgeschützten, beheizten Ort aufgestellt werden.

Leider wurden die notwendigen Abklärungen zur Projektkostenentwicklung und zum Energiebedarf erst nach den Verhandlungen gemacht: Nachdem bekannt wurde, dass eine Rückführung und eine Wiederinbetriebnahme der Lokomotive auf einem Rollenstand mehrere hunderttausend Franken kosten würde, verloren die Bündner Vereine trotz der bereits getroffenen Vereinbarung das Interesse am Projekt.

Als im Jahre 2007 die Zürcher Hochschule auf den Abtransport der Lokomotive drängte, waren es wenige Enthusiasten, welche die Lok vor der sicheren Verschrottung bewahrten und nach Arth-Goldau in die Zentralschweiz transportierten. Dort wurden die Innereien der Lokomotive ausgebaut, fortlaufend auf private Kosten revidiert und konserviert, während das Lokgehäuse mit dem Grossmotor im Freien auf eine nach wie vor ungewisse Zukunft wartet.